Was wollte Jean-Pierre de Caussade ? 4
06/01/2022

Aus dem Vorwort von „Hingabe ans Jetzt“ von Jean-Pierre de Caussade, ISBN 978-3-7543-5198-7. Ich werde in Abständen hier Auszüge aus meinem Vorwort sowie aus de Caussades Texten veröffentlichen.

Das unausgesprochene Thema: Eine Anleitung zum Glücklichsein, die Entwicklung einer Lebenshaltung in Bezug auf Gott, aber ohne viel Theologie oder Bibelstudium. Warum, so fragt er, sollte man das Höchste, Gott, nur im Studium der Heiligen Schrift finden können, nicht aber in Seinen anderen Werken? Es geht doch um unser Leben! Die Bibel, so schreibt Jean-Pierre de Caussade, „sie ist Gotteswort; alles darin ist heilig und wahrhaft. Versteht man sie nicht, so empfindet man davor nur um so größere Ehrfurcht. Man preist die Tiefen der göttlichen Weisheit und lässt ihr volle Gerechtigkeit widerfahren. Mit Recht! Doch das, was Gott zu euch spricht…, die Worte, die er von Augenblick zu Augenblick formt, die nicht Tinte und Papier zur Unterlage haben, sondern das, was ihr leidet, was ihr fortwährend zu tun habt: Verdienen diese kein Echo von eurer Seite? Warum achtet ihr nicht auch darin Gottes Wahrheit und Gottes Willen? Aber hier missfällt euch alles; hier bekrittelt ihr alles. … Begreift ihr nicht, dass ihr zwar mit dem Auge des Glaubens das Gotteswort in der Heiligen Schrift verfolgt, aber es ganz zu Unrecht mit anderen Augen lest in seinen übrigen Werken?“

Zusätzlich zu den bekannten vier Evangelien proklamiert Jean-Pierre de Caussade deshalb keck ein weiteres, das „Evangelium des Heiligen Geistes“: „Der Heilige Geist setzt das Werk des Erlösers fort. … Er schreibt es in den Herzen. Alle Handlungen, alle Augenblicke der Heiligen bilden dieses Evangelium des Heiligen Geistes. Die heiligen Seelen sind das Papier, ihre Leiden und Taten dienen als Tinte.“ Und die Heiligen, das wird Jean-Pierre de Caussade nicht müde zu betonen, sind nicht irgendwelche herausgehobenen Figuren der Geschichte, sondern wir: Jeder und Jede, beginnend bei den Empfängerinnen der Briefe bis zu uns, die wir heute diese Zeilen lesen. Die Heiligkeit, so schreibt er, „erschöpft sich darin, dass man einfach hinnimmt, was sich meistens doch nicht vermeiden lässt, und dass liebend erduldet wird — mit freudiger Zuversicht und Gelassenheit nämlich —, was wir sonst nur allzu oft widerwillig ertragen. … Darin besteht das Senfkorn, dessen Früchte wir deshalb nicht ernten, weil wir es ob seiner Kleinheit übersehen. Das ist die Drachme des Evangeliums, die Kostbarkeit, die wir nicht finden, weil wir sie zu entfernt glauben, um ernstlich danach zu suchen. Fragt mich nicht nach dem Geheimnis, diese Kostbarkeit zu heben. Es handelt sich um gar kein Geheimnis. Diese Kostbarkeit ist überall; allezeit und allerorten liegt sie vor uns offen. Die uns wohlwollenden und die uns übelwollenden Geschöpfe verschwenden sie mit vollen Händen.“

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