Was bedeutet Einheit?
29/09/2018

Durch Praktiken der Meditation und des kontemplativen Gebets sind wir darin geschult, alle inneren Erfahrungen, seien es Gedanken, Gefühle oder Empfindungen, da sein zu lassen und vorüber ziehen zu lassen. Da spielt es keine Rolle, ob es ‚gute“ oder ’schlechte‘ Gefühle sind, vor dem inneren Bezeugen sind sie alle gleich, nämlich flüchtig, veränderlich und nicht beständig, wie Wolken am Himmel. Der ‚Direkte Weg‘ führt uns dazu nach dem Wesen dessen zu fragen, das da wahrnimmt. Es stellt sich heraus als ein zeit- und dimensionsloses, ewiges und offenes Feld, das Liebe und Frieden ausstrahlt, ja Liebe und Frieden ist. Dieses Feld, das Bewusstsein, kann durch nichts, auch nicht durch Leid und Gewalt beschädigt werden. In der Sprache der Advaita-Philosophie begründet sich das damit, dass dieses Bewusstsein kein Objekt ist, keine objektiven Eigenschaften hat. Was kein Objekt ist, kann nicht zerstört, verändert oder beschädigt werden. Es hat keinen Anfang und kein Ende, ist ungeboren und unsterblich.
Die Erfahrung der Einheit ist aber auch Folgendes: Die Erkenntnis, dass die sogenannten äußeren Erfahrungen wesensgleich mit den inneren sind. Sie sind nicht von einer grundsätzlich anderen Qualität und sie spielen sich auch nicht an einem anderen Ort ab. Die Erfahrung eines Geräusches zum Beispiel ist hier, in mir – nicht ‚dort‘. Im Bewusstseinsraum gibt es keine Grenze, die überschritten werden müßte oder könnte, zwischen Innen und Außen. Das einzige, was wir über beide, ‚innere‘ und ‚äußere‘ Erfahrungen, sicher wissen, ist eben unsere Erfahrung davon, hier und jetzt. Und diese Erfahrung spielt sich im selben, in einem einzigen unveränderlichen Bewusstseinsfeld ab und sonst nirgends. Jede Erfahrung, ob ‚innerlich‘ oder ‚äußerlich‘ ist aus der Perspektive des Bewusstseins gleich, sie wird gewusst von einem und in einem leeren und liebenden Bewusstsein. Die Einheit, die all das vielfältige umfasst, ist die Einheit des Bewusstseins, das um sich selber weiß und sich der vielfältigen Erscheinungen als Ausdruck seiner selbst bewusst ist.